Der Erste Eindruck 👀




So jetzt bin ich also in Costa Rica, auf der anderen Seite der Erde, durch den Ozean getrennt von zu Hause. Ganz glauben kann ich es immer noch nicht und ich weiß auch nicht, wann ich das glauben werde... 

Meinen Flug habe ich sehr gut überstanden, alles an Gepäck kam mit und vor Ort auch an! In Panama habe ich einen kleinen Klimaschock bekommen, eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit hat mich empfangen und während meines ersten tropischen Gewitters bin ich mit einem relativ kleinen Flieger rüber nach San José geflogen. Wie gut, dass eine liebe Oma aus Brasilien neben mir saß und mich ganz fürsorglich mit ihrem Schal zugedeckt hat! Total erschöpft habe ich meinen Stempel in meinem Pass entgegengenommen, mit dem ich nun 90 Tage in Costa Rica sein darf, ohne ein Visum zu besitzen. Vor dem Flughafen wartete ein Mann namens "Alex", er hielt ein Schild hoch, auf dem bunt geschrieben stand "Carolin von der Osten-Sacken". Ich bin also mit einem mir noch fremden Mann in irgendein Auto gestiegen und irgendwo hingefahren. Es war 19:30 vor Ort und damit dunkel. Alex quasselte gleich auf Spanisch los, mein Kopf war nur leider wirklich nicht mehr aufnahmefähig, aber ich habe mein Bestes gegeben, ihm zu antworten. Im Hostel wurde ich abgesetzt, der Hostelbesitzer Gabriel hat mich empfangen und ich bin in mein Bett gefallen. Ich schlafe alleine in einem 2-Bettzimmer, das einer meiner Freunde wie folgt kommentiert hat: "ah, ein Luxusknast". Nein, es ist ein Hostelzimmer und einfach eingerichtet, aber ich habe es echt gemütlich! Ich habe mir sogar Batterien für meine Lichterkette besorgt 😁

Die ersten Tage war ich ziemlich allein, was für mich das schlimmste war. Ich wusste nicht, an wen von meiner Organisation ich mich wenden kann, wie weit ich mich rauswagen kann und mit wem ich etwas unternehmen kann. Mit meinem Spanisch komme ich ebenfalls nicht weit, da muss ich mich die nächsten Wochen sehr anstrengen, es schnell zu lernen. Zum Glück hat der Hostelbesitzer Gabriel mit mir eine SIM Card besorgt, sodass ich nun auch eine "Costa Ricanische" Nummer habe. Beim Aufladen meines Handys gab es jedoch ein Problem, denn ich brauchte dafür Colones, die Landeswährung. Ich habe eine DKB Visa Card, mit der man weltweit Geld abheben kann. Es ging jedoch nicht - woran lag es? Es gibt einen Mindestbetrag von 35 mill. Colones, den man mit dieser Karte hier abheben muss, das sind etwa 50€. Allgemein war ich allein schon viel damit beschäftigt, grundlegende Sachen zu organisieren, wie zum Beispiel einzukaufen und zu kochen. Man vergisst schnell, dass die Küche hier für mich im Hostel komplett leer ist und man auch z.B. Öl kaufen muss.  Am zweiten Tag wurde mir kurz die Fundación, wo ich arbeiten werde, vorgestellt. Im Auto habe ich so viel entdeckt und in alle Richtungen geguckt, sodass Alex, wie ich nun weiß ein Kollege, der festen Überzeugung ist, dass ich eine "gato" 🐈 bin. Man setzte mich wieder am Hostel ab - mit den Worten: "Schönes Wochenende, wir sehen uns dann am Montag bei der Arbeit". Okey, drei Tage alleine also... 

Ganz alleine war ich doch nicht, denn ich konnte aufgrund des perfekten Wlans und einer guten Internetverbindung mit den anderen Freiwilligen meiner Organisation, meiner Familie, meinen Freunden, meinem Mentor und meiner Chefin kommunizieren. Jedoch konnte ich trotzdem schlecht alleine durch die Stadt spazieren, denn San José ist dann doch ziemlich groß und man muss sich ersteinmal orientieren, das wird sicherlich noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Bisher sieht es für mich ungefähr so aus: Die Straßen hier im Viertel "Sabana" sind riesig, es gibt nicht viele Fußgängerüberwege. Also rennt man einfach, wenn dann mal eine kleine Lücke vorhanden ist. Der Verkehr ist für mich bisher ein Chaos, alle hupen, das hilft aber auch nicht weiter. Nur die Mótos (Motorräder) können sich zwischen den Autos und den Bussen hindurchmogeln und freuen! An den Bussen steht vorne an der Scheibe der Tarif und die Endstation, den Rest denkt man sich, denn einen aushängenden Busplan gibt es nicht. Entspannen kann man sich in einem sehr toller Park, in dem sich Leute für die verschiedensten Aktivitäten treffen. Ich bin des Öfteren dort joggen gegangen, es gibt eine extra Laufstrecke, die viel benutzt wird. An einem See gibt es Tretboote, Kinder können auf Ponys reiten oder auf dem Spielplatz spielen. Sehr viele spielen Fußball, mit dem Blick auf das große Stadion von San José. Ich war im Kunstmuseum am anderen Ende des Parks und war mit dem Hostelbesitzer Gabriel in der Innenstadt auf dem Markt (meine erste Begegnung mit den ärmeren Teilen von San José und dem ganzen Trubel). Er hat seine Besorgungen gemacht und mich dabei freundlicherweise mit dem Auto mitgenommen und mich ein bisschen herumgeführt. Ansonsten lag ich mal gemütlich in der Hängematte im Garten (siehe Bild oben), in dem es Palmen gibt und Tiere, die ich nicht kenne, wie zum Beispiel diese Spinne, die Gabriel mir gezeigt hat (Nephila)



PURA VIDA! 🌴

Kontakte konnte ich inzwischen finden. Alle bei der Arbeit reden extra langsam Spanisch und geben sich Mühe, mich zu verstehen. Wenn man durch die Stadt läuft, trifft man schnell andere deutsche Freiwillige, ich habe zum Beispiel eine Gruppe bei der Migración, zu der man zum Beantragen des Visums hingeht, getroffen. Sie hatten mich dann am Wochenende eingeladen, mit ihnen in ihrer WG in den Geburtstag von Hannes reinzufeiern. In meinem Hostel waren gestern vier junge Ticos (So nennt man die Einwohner Costa Ricas), die ebenfalls für einen Freiwilligendienst ein Jahr in Deutschland waren. Sie wohnen in Costa Rica verteilt, das ist super schön, weil sie mir alle freundlich angeboten haben, dass ich sie besuchen kann. Total offen und lieb haben sie mir erzählt, was ich unbedingt über Costa Rica wissen muss. Ich werde so verschiedene Orte sehen und darauf freue ich mich sehr!

Mein größtes Erlebnis war bisher ein Tagesausflug mit einer Kollegin namens Marjolie, die mich gefragt hatte, ob ich mit ihr und der Familie ihres Ehemanns wandern gehen möchte. Ich habe mich durch meine Erkältung und die Allergie gegen die drei aufgedrehten Labradore gekämpft und dann einen super tollen Tag gehabt! Im Wald in den Bergen habe ich Schmetterlinge in Größe einer Handfläche, Ameisen in Größe der vorderen zwei Fingerglieder, Brettwurzeln und exotische Blumen gesehen. Die Hunde hatten ihren Spaß bis sich der eine in Lianen verfangen hat 😮😁 Unter einem Unterstand am See haben wir gegrillt, es gab Tortillas mit verschiedenen Füllungen. Sehr lecker! Obwohl es am Vormittag richtig heiß war, hat es plötzlich angefangen extrem zu schütten, sodass wir uns frierend zusammen gekuschelt haben. Trotzdem sind wir durch den Regen zum Auto gerannt und bis ich um 22 Uhr zu Hause war, hatte ich nasse Füße. Wir sind nämlich noch zu einem kleinen Häuschen aufs Land gefahren, wo Marjolie und ihr Ehemann für eine Zeit lang wohnen. Es ist hoch gelegen und man hat den Ausblick auf andere bunte Häuschen und sogar eine Kaffeeplantage! Es kamen die drei anderen Geschwister, die Mutter, die Tante, der Onkel, Freunde.. es wurde sehr voll und wir haben alle zusammen Kaffee getrunken. Der eine Bruder fliegt Anfang September mit seiner Ehefrau für zwei Jahre nach Malaysia, da er dorthin versetzt wurde. Es gab also sehr viel zu erzählen und ich konnte super Spanisch lernen!

Die Fundación Hedwig y Robert Samuel ist nun mein Arbeitsplatz. Ich werde sehr nett aufgenommen, es wurde sogar ein vegetarischer Essensplan für mich erstellt, denn sie essen ihren Reis und ihre Frijoles (Bohnen), aber jeden Tag mit anderem Fleisch. Mein erstes Gallo Pinto war sehr lecker, niemals hätte ich gedacht, dass das zum Frühstück gut sein würde. Aber Frijoles, Reis, Platanos (Kochbananen) und Käse...warum nicht? Ich habe bis jetzt mit der Lehrerin für den Orientierungsunterricht zusammengearbeitet. Sie bereitet das Fest am Montag vor, bei dem es unter anderem Spiele gibt. Der neue Jahrgang wird neu empfangen, während der ältere diese Woche Prüfungen hatte und nun für 3 Monate ein Praktikum machen wird. Es ist hier sehr, sehr viel Disziplin und Ordnung der Auszubildenen gefragt, sie sind sehr höflich und halten die Fundación selbst ordentlich (Putzfrauen gibt es nicht). Was muss man unbedingt zur Arbeit mitnehmen? Zahnbürste und Regenschirm! Ich bekomme nun auch eine Uniform, eine blaue Bluse und eine graue Hose mit schwarzen hohen Socken und schwarzen Schuhen. Um diese zu kaufen, bin ich heute das erste Mal bei Alex mit  "Móto" gefahren - und das in San José! Sehr aufregend! 

Ich bin gespannt, wie sich meine Aufgaben weiter entwickeln werden und freue mich, mein Zimmer, wo ich das Jahr über wohnen werde, ab nächster Woche einzurichten!  

Die Bilder wurden im Garten des Hostels und am Häuschen auf dem Land aufgenommen

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